Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger steht dem neuen Vorschlag von Innenministerin Fekter zum Bleiberecht ablehnend gegenüber. “Patenschaften, ob nun von Privatpersonen oder Organisationen sind als politisches Instrument grundsätzlich abzulehnen”, unterstrich Frauenberger am Donnerstag. Es ist menschenunwürdig, die Zukunft eines Menschen von “Sponsoring” abhängig zu machen. Die Politik könne die Verantwortung nicht auf Hilfsorganisationen übertragen. Frauenberger schlägt eine grundsätzliche Überarbeitung des Entwurfs zum Bleiberecht vor. “Die Innenministerin muss die vielen kritischen Stellungnahmen Ernst nehmen und die Novelle gründlich überarbeiten. Mit einem Flickwerk ist niemanden gedient”, so Frauenberger.
Mit dem Entwurf sei die Chance auf eine transparente bundeseinheitliche Regelung vertan worden. “Gnadenakte und finanzielle Patenschaften, die neue Abhängigkeiten erzeugen, sind weit weg von dem, was Wien als Bundesland mit den höchsten Fallzahlen, brauchen würde”, so die Stadträtin. Bedauerlich sei, dass der Novellierung keine Evaluierung des bestehenden Gesetzes vorangegangen ist. Denn die Gesetzes-Novelle beseitige nicht die vielfältigen Unklarheiten, Ungenauigkeiten, Lücken und Härten des bestehenden Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetzes. Frauenberger kritisierte auch den geplanten Beirat, der von Landeshauptleuten eingerichtet werden kann, aber nicht muss: “Damit wird das ‘Gnadenrecht’ der Bundesministerin durch ein ‘Gandenrecht der Landeshauptleute’ ersetzt.” Das Bleiberecht müsse auf klare, eindeutige und bundeseinheitliche Beine gestellt werden, “denn es darf nicht sein, dass nach dem ‘Daumen runter oder Daumen rauf’ Prinzip entschieden werden kann, wer bleiben darf und wer nicht.”
Die gestrige Ankündigung von Innenministerin Fekter, das Thema Integration zu einem “wesentlichen Schwerpunkt” der nächsten Jahre machen zu wollen, begrüßt Frauenberger. “Es wäre sehr wünschenswert, wenn es nicht nur bei dieser Ankündigung bliebe. Bislang habe man vom Innenministerium wenig Unterstützung bei der Integrationspolitik erhalten.“