Pfefferspray-Handhabung in Schule - SP- Tanja Wehsely: Nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen
Pfefferspray-Handhabung in Schule - SP- Tanja Wehsely: Nicht mit
Kanonen auf Spatzen schießen
Utl.: Haftstrafe für Eltern wäre unangemessen - Akzeptanz und
Vertrauen gegenüber pubertierenden Jugendlichen wichtig =
Wien (SPW-K) - “So falsch, unangenehm und in jeder Hinsicht
abzulehnen die kürzlich erfolgte Pfefferspray-Handhabung eines
Jugendlichen in einer Schule in Wien-Simmering auch ist, so sollte
deswegen im Zuge Aufarbeitung des Vorfalls die Verhältnismäßigkeit
nicht aus den Augen verloren werden. Eine angedrohte Haftstrafe für
die Eltern, wie von rückwärtsgewandten, konservativen Politikern
gefordert wird, wäre für das Vergehen sicherlich unangemessen. Eltern
haften im Fall des Auftretens von ihren Kindern ausgelösten Schäden
gegenüber Dritten ohnehin bereits, in der Regel finanziell. Mit dem
bloßen Ruf nach Einsperren von an der Tat selbst völlig Unbeteiligten
wird das Problem nicht gelöst, es könnte in seinen Folgen letztlich
sogar noch verschlimmert werden, weil es vorhandene familiäre Bande
letztlich auf eine besonders große Belastung - bis zum völligen
Zerreißen - stellen könnte”, stellte Freitag SP- Gemeinderätin Mag.
Tanja Wehsely zu der Debatte und speziell der Haft-Forderung fest.
Pubertierenden Kindern und Jugendlichen die Gefängnisrute
gegenüber ihnen selbst und den Eltern ins Fenster zu stellen, würde
bedeuten, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen, meinte Wehsely weiter.
Noch dazu, wo der 14Jährige offensichtlich nicht vorsätzlich zum
Schaden gegenüber anderen gehandelt hätte, sondern ausprobieren
wollte, wie Pfefferspray funktioniere. Wehsely: “Nicht das ständige
Drohen mit dem Vorschlaghammer, sondern das Eingehen auf das
Fehlverhalten, das Schaffen von Unrechtsbewusstsein und darauf
resultierende Einsicht in Fehlverhalten sind meiner Meinung nach der
richtige, weil nachhaltige Weg. Dazu bedarf es allerdings auch
seitens der Erwachsenenwelt den Jugendlichen den ihnen grundsätzlich
zustehenden Respekt und Vertrauen und den notwendigen Ernst sowie
Geduld entgegenzubringen. Wer die gerade während der Zeit der
Pubertät bei Kindern und Jugendlichen verstärkt auftretenden
Problemstellungen negiert und bei unvorsätzlichem Fehlverhalten
gleich nach dem Strafrichter ruft, tut der Sache keinen guten Dienst.
Kindern und Jugendlichen sollte man nicht bloß eine Chance, sondern
wenn notwendig, auch drei oder vier geben”, betonte Wehsely.
Die Stadt sowie zahlreiche private Initiativen und Einrichtungen
böten jedenfalls, so die Gemeinderätin, den betroffenen Kindern und
Jugendlichen selbst und darüber und natürlich auch deren Eltern eine
Reihe von Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten im Fall des
auffälligen Verhaltens an. Die beste Prävention gegen krasses
Fehlverhalten sei allerdings mehr denn je die ausgeprägte Investition
in Bildung, Aufklärung und die ernste Beschäftigung mit Vorstellungen
von Kindern und Jugendlichen. Die vor über acht Jahrzehnten seitens
des großen Wiener Sozial- und Gesundheitspolitikers Julius Tandler
formulierte Erkenntnis: ┤Wer Kindern Paläste baut, reißt Kerkermauern
nieder`, hat auch heute nichts von ihrer Sinnhaftigkeit eingebüßt”,
schloss Wehsely.